Wombats machen Würfel. Aber wo entstehen die Kanten?
Der überraschende Teil ist nicht nur der Würfel. Es ist die weiche Wand, die seine Form vorbereitet. Und dann bleibt noch die Frage, warum kein langer Balken herauskommt.

Ein Würfel ohne Würfelform
Stell dir einen weichen Schlauch vor. Du drückst eine formbare Masse hindurch. Was kommt am Ende heraus: eine Wurst, eine Kugel oder ein Würfel? Beim Wombat wird aus dieser Küchenfrage ein Forschungsproblem.
Der Nacktnasenwombat, ein australisches Beuteltier, hinterlässt auffällig kantigen Kot. „Würfel“ ist dabei eine anschauliche Kurzform: Die Stücke sind nicht geometrisch perfekt und können länglicher sein. Trotzdem bleibt die Frage: Wie entstehen flache Seiten in einem weichen Körper?
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Antworten und Erklärungen
- Ein viereckiger Ausgang presst die Form: Das wäre wie bei einer Spritztülle. Doch eine CT-Untersuchung zeigte einen runden Ausgang. Außerdem lagen kantige Stücke schon weiter innen im Darm.
- Die Form entsteht schon im Darm: Genau diese Spur verfolgte das Forschungsteam: kantige Stücke im Darm und eine Wand, die rundherum nicht überall gleich steif ist.
- Erst beim Trocknen am Boden entstehen die Kanten: Wasserverlust spielt eine Rolle. Aber die Kanten entstehen nicht erst draußen: Die untersuchten Stücke waren bereits im Darm kantig.
Antworten und Erklärungen
- Ein viereckiger Ausgang presst die Form: Das wäre wie bei einer Spritztülle. Doch eine CT-Untersuchung zeigte einen runden Ausgang. Außerdem lagen kantige Stücke schon weiter innen im Darm.
- Die Form entsteht schon im Darm: Genau diese Spur verfolgte das Forschungsteam: kantige Stücke im Darm und eine Wand, die rundherum nicht überall gleich steif ist.
- Erst beim Trocknen am Boden entstehen die Kanten: Wasserverlust spielt eine Rolle. Aber die Kanten entstehen nicht erst draußen: Die untersuchten Stücke waren bereits im Darm kantig.
Die erste Überraschung liegt vor dem Ausgang
Ein CT-Bild zeigte einen runden After. Bei der Untersuchung toter Wombats fand das Team die kantigen Stücke bereits im hinteren Darmabschnitt. Ein quadratischer Ausgang als Formdüse scheidet damit aus.
Für die 2021 in Soft Matter erschienene Arbeit wurden unter anderem Gewebeproben untersucht und gedehnt. Die Darmwand war rund um ihren Querschnitt nicht gleich beschaffen: Es gab zwei steifere und zwei nachgiebigere Bereiche. Das ist etwas anderes als ein rundum gleichmäßiger Gummischlauch.
Die Wand muss nicht eckig anfangen
Die Forschenden prüften die Idee mit einem mathematischen Modell: Ein elastischer Ring mit unterschiedlich steifen Abschnitten zieht sich wiederholt zusammen. Weil sich seine Bereiche verschieden bewegen, kann sein Querschnitt eckiger werden.
Denk beim Bild deshalb nicht an einen Keksausstecher. Der hätte seine fertigen Kanten schon vor dem Formen. Hier interessiert uns, wie Bewegung und unterschiedliche Materialeigenschaften gemeinsam eine Form hervorbringen.
Moment: Das wäre doch ein langer Balken
Zeichne ein Quadrat auf Papier. Ziehe es in Gedanken nach hinten, wie einen Tunnel. Du erhältst einen Balken, noch keinen einzelnen Würfel. Genau hier lohnt es sich, die scheinbar fertige Erklärung noch einmal anzuhalten.
Das Ringmodell behandelt den Querschnitt. Warum die Masse auch entlang des Darms in einzelne Stücke zerfällt, ist eine zweite Frage. Eine 2023 in Soft Matter erschienene Arbeit untersuchte Wasserverlust und Rissbildung. Als vereinfachtes Versuchsmodell diente unter anderem Maisstärke, die in schmalen Rinnen trocknete.
Wenn äußere Bereiche beim Trocknen schrumpfen, während innen noch mehr Feuchtigkeit bleibt, können Spannungen und Risse entstehen. Das bietet einen möglichen Mechanismus für die Unterteilung. Es ist kein Film vom vollständigen Vorgang im lebenden Wombat. Die Stärkeversuche ersetzen auch keine genaue Nachbildung seines Darms.
Und warum ausgerechnet Würfel?
Wombats setzen Kot an auffälligen Stellen ab, etwa bei Felsen oder Baumstämmen. Dass kantige Stücke dort weniger leicht wegrollen, ist eine plausible Idee für einen Nutzen. Damit ist aber nicht nachgewiesen, weshalb sich diese Form evolutionär entwickelt hat.
Hier enden also drei verschiedene Fragen an drei verschiedenen Stellen: Wo? Schon im Darm. Wie? Unterschiedliche Steifigkeit und Kontraktionen erklären im Modell die Kanten; Wasserverlust liefert einen Ansatz für die Stückelung. Wozu? Dafür bleibt Forschung nötig.
Beim nächsten ungewöhnlich geformten Naturfund kannst du dieselbe Frage stellen: War zuerst eine fertige Form da — oder entstand die Form erst durch den Vorgang? Beim Wombat führt die Spur vom komischen Würfel zu einer erstaunlich ernsthaften Idee über weiche Materialien.